Warum glauben manche Menschen an Gott?

Frage: Warum glauben manche Menschen an Gott?

Kurze Antwort: Weil sie sich so sehr einen Gott wünschen, dass sie ihn sich nicht nur vorstellen, sondern manchmal sogar so tun, als gäbe es ihren Gott in Wirklichkeit.

Ausführliche Antwort: Wir Menschen haben ein unglaublich leistungsfähiges Gehirn: Wir können zum Beispiel Sprechen und Lesen lernen – sogar in mehreren Sprachen! Und wir können immer noch Neues lernen.

Ganz besonders außerordentlich ist unsere Fähigkeit, uns Sachen auszudenken, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Du kennst sicher viele Beispiele für Gestalten, die sich Menschen nur ausgedacht haben, zum Beispiel Harry Potter®, die Minions®, Biene Maja, Pumuckl®, Rumpelstilzchen oder Schneewittchen.

Auch Gott ist jemand, den sich Menschen ausgedacht haben. Menschen haben sich schon etwa 3000 verschiedene Götter ausgedacht. Die meisten Götter kennen wir heute nur noch aus den Sagen- und Märchenbüchern.

Früher wussten die Menschen noch viel weniger als wir heute. Damals hatten sie zum Beispiel große Angst, wenn es bei einem Gewitter donnerte. Sie wussten noch nicht, wo der Donner wirklich her kam. Deshalb dachten sie sich Menschen in verschiedenen Ländern für den Donner und das Gewitter viele verschiedene Götter aus, zum Beispiel:

  • Donar oder Thor bei den Germanen
  • Athtar, ein westsemitischer Gott
  • Baal, verschiedene Gottheiten im syrischen und levantinischen Raum
  • Indra, ein vedischer Gott
  • Lei Gong, ein chinesischer Gott
  • Perun bei den Slawen
  • Pērkons, ein baltischer Gott
  • Quzah, ein alt-arabischer Gott
  • Raijin, ein japanischer Shinto-Gott
  • Shango, Gott der Yoruba
  • Taranis, ein keltischer Gott

Wenn es donnerte, dann sagten die Menschen: „Das ist unser Gott Donar, der mit uns spricht.“ Weil sie Angst vor dem Donner hatten, haben die Menschen ihrem Donnergott Opfer geschenkt, damit er sie vor Donner und Gewitter verschont.

Genauso ist es mit dem Gott, an den die Christen glauben. Sie wünschen sich, dass es einen Gott gibt, der sie lieb hat. Viele tun so, als ob es Gott wirklich geben würde. Sie sprechen mit ihm und bitten ihn um seine Hilfe, so wie man mit einem Freund sprechen würde, den es wirklich gibt.Sie haben sich ausgedacht, was ihr Gott wohl gut und was er schlecht finden könnte. Das haben sie dann aufgeschrieben und tun so, als hätte Gott ihnen das gesagt.

Sie wünschen sich einen Gott so sehr, dass es ihnen sogar egal ist, dass es Gott in Wirklichkeit gar nicht gibt. Sie tun so, als ob Gott wirklich etwas auf der Erde verändern würde, wenn er das möchte oder wenn sie ihn darum bitten.

Wenn dann etwas Gutes passiert, sagen sie: „Das war Gott, er hat mich lieb!“. Wenn etwas Schlechtes passiert, dann sagen sie: „Das war auch Gott, er hat mich lieb, auch wenn ich nicht verstehe, warum das Schlechte jetzt passieren musste.“

Es gibt bis heute keinen einzigen Beweis dafür, dass irgendetwas, das passiert, wirklich ein Gott gemacht hat. In Wirklichkeit passiert alles, weil vorher etwas anderes passiert ist, das dazu geführt hat.

Manchmal können wir erkennen, warum etwas passiert ist. Manchmal passiert auch etwas, das wir uns nicht erklären können. Wo wir nicht wissen, warum es passiert. Aber auch Dinge, die für uns ganz überraschend sind, haben immer eine Ursache.  Niemals geschieht irgendetwas „einfach so.“

Es ist schwer zu verstehen, warum manche Erwachsene auch heute noch an einen Gott glauben. Viele tun auch nur so, zum Beispiel, weil ihre Freunde auch sagen, dass sie an Gott glauben. Kinder sagen manchmal, dass sie an Gott glauben, weil sie wissen, dass sie dann zur Erstkommunion oder zur Firmung Geschenke bekommen.

Die meisten Menschen glauben übrigens an den Gott, an den auch ihre Eltern glauben. Wenn deine Eltern zum Beispiel Christen sind, dann ist es wahrscheinlich, dass sie sagen, dass du auch Christ bist. Menschen, die zum Beispiel an die Religion Hinduismus glauben, werden sagen, dass ihr Kind auch wie sie an Gott Shiva glaubt.